Beschreibung
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
„der hätte die Tagung eröffnen sollen!“, hieß es im Rahmen der Abschluss Veranstaltung. Die Rede war von Albrecht Göschel und seinem im letzten Heft dokumentierten Vortrag „Kulturpädagogik als Naturheilpraxis?“. Dass die Bemerkung im Ton lebhaften Bedauerns geäußert wurde, attestiert der Loccumer Tagung „Das Ästhetische Projekt“ keinen berauschenden Verlauf. Warum dann noch einmal auf sie zurückkommen?
Die Gründe nennt Göschei selbst, und womöglich gestattet das Aufrollen
des Ganzen von hinten (wie die unzufriedene Tagungsteilnehmerin vermutete) tatsächlich die Erschließung von Perspektiven, die sich die Tagungsteilnehmerinnen vor Ort verkneifen mußten. Es dominierte eine theoriefeindliche Gefühligkeit, die noch dem wahrhaft bodenständigen Kunstunterricht jegliches Abschweifen ins Gedankliche verübelte und eher auf Handreichungen für den Vermittlungsalltag aus war. Vergleichbares bietet
das vorliegende Heft nicht.
Karin Hirdina plädiert für einen „brauchbaren Ästhetik-Begriff“, dessen
„Janusköpfigkeit“ sowohl die Sinne als auch den Sinn umschließt: Damit
polemisiert sie gegen eine Ästhetisierung des Lebens, dessen regressive
Tendenzen Karl-Josef Pazzini ausgerechnet in den Aktivitäten früherer
Weggefährten aufspürt. Dem drohenden „Verlust an gemeinsamer theoretischer Anstrengung“ mitten in der Praxis stellt er die Forderung nach konsistenter Theoriebildung entgegen, die sich nur auf den ersten Blick asketisch ausnimmt.
Dass er sich hierin wiederum mit den kulturpädagogischen Praktikerlnnen
trifft, gehört zu den Erträgen zumindest der Loccum-Nachlese. Matthias
Winzen (Schule für Kunst und Theater der Stadt Neuss) hält der vielzitierten „Lebensweltorientierung“ ihre Betriebsblindheit gegenüber den gesellschaftlichen Prozessen vor, Thomas Peltzer (Jugendkunstschule im Kreativhaus e.V., Münster) möchte die ritualisierten Verkehrsformen der Pädagoginnen dem Praxisschock aussetzen, Corinna Rossmy und Bernhard Gisella (Jugendkunstschule Köln e.V.) treten u.a. für eine grundsätzliche
Neubewertung der Wahrnehmungszeit ein, die die Wahrnehmungsinhalte
strukturiert, aber auch limitiert.
Dass Gert Seile selbst zum Zeitpunkt seiner breitesten Rezeption den Projektbegriff hinter Ästhetik und Kunstnähe zurückstellt (DAS KUNSTNAHE ÄSTHETISCHE Projekt), verleiht diesem in der Tat den Status des
„Unvollendeten“, allerdings nicht in dem von Wolfgang Zacharias gemeinten Sinn.
Wer hätte die Tagung schließen wollen?
Zusätzliche Information
| Format | Digital (eBook) |
|---|





