Infodienst Nr.23

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Beschreibung

„Wollt Ihr einen Bauern sehn, müßt Ihr bald ins Museum gehn“, hieß es jüngst im „Spiegel”. Wo der Bauernverband den Fußbreit Hoffnung sogar noch gegen den Reim verteidigt, machen die Nachlaßverwalter Boden gut. Wer sich über das Ausmaß des Musealisierungstrends etwa noch Illusionen gemacht hatte, wurde Ende letzten Jahres eines besseren belehrt: Eine dichte Folge von Debatten, Fachtagungen, Gründungsinitiativen und Ausstellungen mit epochalem Anspruch scheint der museumspädagogischen Aufbruchsstimmung recht zu geben, wie sie namentlich der noch junge Bundesverband Museumspädagogik proklamiert. Seine erste große Fachtagung, die er Anfang Dezember in Hamburg veranstaltete, stellte er unter das nicht eben bescheidene Motto: „Der Kopf lernt jetzt die Füße kennen“. Eine Formel, wie sie auch der Bauernverband nicht griffiger hätte prägen können. Immerhin stammt sie von Aragon, der ja nicht nur Surrealist, sondern auch mit dem Pariser Landleben bestens vertraut war…
Doch gibt es kulturpolitisch auch auf dem wirklichen Land – nicht anders als im Museum – eine „dialektische Bewegung“ (Fliedl). Die Protagonisten der Gegenseite (das muß keineswegs immer die schwarze sein) formieren sich derzeit im hessischen Haunetal-Wehrda. Als mißgönnten sie der „Kulturscheune“ diejenigen Subventionen, die der Agrikultur nur geschadet haben, schicken die Gemeindevorderen sich an, eines der hoffnungsvollsten Projekte ländlicher Kulturpädagogik auf Eis zu legen. Denkwürdige Konstellation an Heiligabend: Im Schulterschluß stehen der Bürgermeister, der Kunstschulleiter, die regionalen Medien und die überregionalen Geldgeber auf Landes- und EG-Ebene, nur die Gemeindevertreter stellen sich quer.
Zumindest eine Prognose aus dem letzten Heft hat sich schon jetzt bestätigt. Die Frauen-Kultur-Politik ist nicht nur thematisch im Trend, auch in der Praxis ist einiges in Bewegung. Das Frauenkulturbüro NRW e. V. in Krefeld startete mit einem furiosen Hearing zu „Arbeitsweisen, -möglichkeiten und -Perspektiven von Frauen im Kulturbetrieb“ ins Neue Jahr. Helle Becker hat zugehört.

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